Page 13 - PNO_PI-Magazin_01-2026
P. 13
den, was ca. 20 Minuten pro Remote-I/O er- während sich die Fehlerquote bei Remote-I/Os
fordert. Wegen der direkten Einbindung der durch weniger Rangierungen halbiert und bei
APL-Feldgeräte ist zwar zunächst ein höherer Ethernet-APL die Fehlerquote null sein wird.
Aufwand nötig, der sich aber durch die verein-
fachte Handhabung und die schnellere Daten- POSITIVE AUSWIRKUNGEN
rate auf 5 Minuten pro Gerät und 3 Minuten IM BETRIEB
pro Field-Switch reduziert. Die Konfiguration
gelingt mit Ethernet-APL wesentlich schnel- Für Ethernet-APL spricht außerdem, dass es
ler, da sich die Daten bis zu zehnmal schneller eine Enabling-Technologie für NOA (NAMUR
auslesen und laden lassen. Während die Kon- Open Architecture) ist. Damit lassen sich gro-
figuration eines 4-20 mA-Feldgerätes ca. 30 ße Datenmengen direkt aus dem Feld über
Minuten pro Gerät dauert, benötigt man bei PROFINET ausschleusen – und dies direkt
Ethernet-APL nur 5 Minuten pro Gerät. herstellerneutral im einheitlichen PA-DIM-
Format. Bei Einsatz konventioneller Technik ist
RASCHERE INBETRIEBNAHME dies nur mit hohem Hardware-Aufwand über
HART-Multiplexer und einem Field Device
Die Inbetriebnahme umfasst die Funktions- Manager mit NOA-Schnittstelle realisierbar.
prüfung der PLT-Stellen sowie die Korrek-
turmaßnahmen bei fehlerhafter elektrischer Dadurch können mehr und schneller Diag-
Installation. Bei den 4-20-mA-Varianten sind nosedaten zur Verfügung gestellt werden.
ein Leitsystemtechniker im Schaltraum und Zudem kann die Diagnose über das AMS, den
ein Stellenprüfer im Feld erforderlich, was Controller oder auch über den Web-Server der
In dieser Anlage wurde Ethernet-APL mit
klassischen Konzepten verglichen. zweimal 30 Minuten pro PLT-Stelle erfordert. Geräte gefahren werden. Ein weiterer Vorteil ist
Bei Ethernet-APL genügt eine Person, da sich das herstellerunabhängige Plug-and-Produce,
die Geräte selbst melden und der Aufwand bei dem sich Feldgeräte dank generischer Ge-
riante B durch den Einsatz von Remote-I/Os auf 10 Minuten pro PLT-Stelle reduziert wird, rätetreiber (PA-Profil 4) ohne Neukonfigurati-
nur 15 Minuten benötigt. Bei Ethernet-APL wobei durch den Wegfall der Grenzwert- on austauschen lassen. Anwender profitieren
müssen bei verpolungssicheren Anschlüs- schalter auch weniger Loops zu prüfen sind. damit schon heute von erheblichen Einspa-
sen die Adern nicht einzeln dokumentiert rungen im Engineering, in der Installation,
werden. Somit ist es möglich, die Feld- Hinzu kommt, dass der Einsatz von Ethernet- Integration und Inbetriebnahme. Und auch
installation mit einer PLT-Stellenliste zu de- APL Verpolungsfehler verhindert, da sich die im Betrieb sind effizientere Produktionen,
finieren, die pro Gerät die wichtigsten Infor- Kabel am Feldgerät polaritätsunabhängig an- weniger Ausfälle und ein geringerer Instand-
mationen spezifiziert. Hierfür können 5 Minu- schließen lassen. Im Gegensatz dazu treten haltungsaufwand zu erwarten.
ten je PLT-Stelle angenommen werden. bei der konventionellen Technik erfahrungsge- Alen Mahendrarajah, Sedat Yildirim,
mäß Fehler bei etwa 10 % der Messstellen auf, Prof. Dr. Norbert Große, PLT-Labor, TH-Köln
SCHNELLERE INSTALLATION
NOA NIMMT FAHRT AUF
Die Installation im Schaltraum ist bei 4-20 mA
am aufwändigsten (rund 470 Stunden), wäh-
rend bei 4-20 mA mit Remote I/Os im Feld Seit Sommer 2025 treibt PI die Standardisierung von NOA (NAMUR Open Architecture) voran.
die Kosten durch leichtere PROFIBUS-Kabel Gemeinsam mit Anwendern der Prozessindustrie werden offene Schnittstellen spezifiziert,
und weniger Leitungen sinken. Ethernet-APL um Prozesswerte aus der Anlage sicher auszuleiten. Kernelemente sind:
verwendet eine Kombination aus PROFINET- Sicherheit: Datentransport außerhalb des (weitestgehend unveränderten) Automatisie-
Kabeln und Lichtwellenleitern, wobei die rungsnetzwerks über gesicherte, verschlüsselte Verbindungen.
aufwändigere Installation der empfindlichen Effizienz: Einheitliches Informationsmodell PA-DIM.
Lichtwellenleiter zu etwas höheren Kosten Rückwirkungsfrei: Datendiode sorgt dafür, dass keine Daten von außen in die Anlage ein-
als bei Variante B führt. Bei 4-20 mA mit Re- dringen können, sondern nur ein Transport „nach oben“ möglich ist.
mote I/Os und Ethernet-APL reduziert sich Eingriffe in die Anlage von außen sind möglich über VOR (Verification of Request), wobei
dieser Aufwand auf ca. 2 Stunden, da nur fallspezifische Freigabemechanismen hinterlegt werden.
noch wenige Komponenten in der Leitwarte Gesteuert vom übergeordneten NOA-Komitee haben sich inzwischen verschiedene
installiert werden müssen. Arbeitskreise synchronisiert, um noch in diesem Jahr
einen ersten Entwurf von Spezifikation und Richtlinien
Bei den Varianten A und B werden die HART- zu veröffentlichen.
Feldgeräte über ein Remote-I/O eingebun-
PI-Magazin 1/2026 13

