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Studie des PLT-Labors an der TH Köln                                   Bild: PLT-Labor, TH-Köln
      ETHERNET-APL PUNKTET



      IM VERGLEICH





       Ethernet-APL verspricht signifikante Vorteile über den gesamten Anlagen-
       lebenszyklus. Um die Kosten genauer zu beurteilen, hat das PLT-Labor an der
       TH Köln nun für eine Referenzanlage drei Anlagenkonzepte verglichen.

       In der Studie wurden drei Technologiekon-  munikationskarten eingesetzt, im Feld kom-
       zepte verglichen: In der Beispielanlage gibt   men PROFINET-Verlegekabel zum Einsatz.
       es zwei Explosionsschutzzonen (Zone 1 und   Zusätzlich bieten die Remote-I/Os und APL-
       Zone 2) mit insgesamt 1.570 Ein- und Aus-  Field-Switches die Möglichkeit, Lichtwellen-
       gangssignalen. Außerhalb der Ex-Zonen be-  leiter (LWL) über SFP-Transreceiver direkt
       finden sich lediglich die Frequenzumrichter,   anzuschließen.
       die als Steuerungsschnittstelle zu den Moto-
       ren dienen.                        Die Spezifikation der Feldgeräte ist bei allen
                                          drei Varianten gleich. Jedoch können bei den
       Variante A  basiert  auf  der  konventionel-  Varianten A und B die gleichen 4-20 mA-
       len  4-20  mA-Technologie  mit  Stammka-  Feldgeräte  genutzt  werden,  während  bei
       beln, die analoge und binäre Signale über   Ethernet-APL PROFINET-over-APL-Feldgeräte
       Punkt-zu-Punkt-Verbindungen  von  der   verwendet werden müssen.
       Feldebene in die Prozessleitebene über-                               Allerdings wird die Planung der Kabel und
       tragen. Die Feldgeräte werden über HART   ANSCHAFFUNGSKOSTEN          Kabelwege bei Ethernet-APL etwas verein-
       parametriert.                      DER HARDWARE                       facht, da anstelle der dickeren Stammkabel für
                                                                             Variante A dünnere PROFINET-Verlegekabel
       In der  Variante  B wird in der Feldebene   Die Netzwerkstruktur umfasst das Leitsys-  oder Lichtwellenleiter verwendet werden kön-
       die 4-20 mA-Technologie verwendet, die   tem (Controller und E/A-Baugruppen), die   nen. In Variante C wird der PROFINET-Backbone
       Signale werden jedoch über Remote-I/  Feldverteiler mit allen Hardware-Kompo-  in einer Ringstruktur aufgebaut. Dies reduziert
       Os  im Feld erfasst. Diese sind in einer Li-  nenten sowie die  Verkabelung (Spur- und   die Zahl der zu planenden Kabel. Der Nachweis
       nientopologie über einen redundanten   Backbone-Leitungen):           der  Eigensicherheit  erfolgt  bei  Ethernet-APL
       PROFIBUS DP-Backbone verbunden. Für     Variante A erfordert zusätzlich Rangierver-  durch das 2-WISE-Konzept. Dadurch reduziert
       den Einsatz in explosionsgefährdeten Be-  teiler und Speisetrenner im Schaltraum. Bei   sich der Zeitaufwand von 15 Minuten auf 5:30
       reichen werden Ex i-geschützte PROFIBUS   den Varianten B und C entfällt dieser Auf-  Minuten pro Nachweis, der sich zudem für
       DP-Leitungen und DP-DP Ex i-Koppler ver-  wand durch den Einsatz von Feldbus bzw.   identische Geräte wiederholen lässt.
       wendet. Die Feldgeräte können auch hier   Ethernet-Netzwerken.
       über HART parametriert werden. Diese Va-    In Variante B werden Koppler, Feldbusab-  PLANUNG UND ENGINEERING
       riante ist in den bestehenden Anlagen am   schlusswiderstände, Repeater und univer-
       weitesten verbreitet.               selle Ein-/Ausgabekarten eingesetzt.  Die Netzwerkarchitektur ist bei der Variante
                                             Bei Variante C entstehen Kosten für APL-  A einfacher zu planen, da sich die Topolo-
       Variante C basiert auf einer PROFINET-Netz-  Field-Switches und Remote-I/Os. Für ver-  gie auf den Systembus in der Leitwarte be-
       werkstruktur, die eine einfache Ringstruktur   bleibende Binärsignale werden bislang   schränkt, während bei den Varianten B und
       mit dem Redundanzprotokoll MRP (Media   Remote I/Os mit PROFINET-Schnittstelle   C die Netzwerkteilnehmer über die gesamte
       Redundancy Protocol) verwendet. Dabei   benötigt. Für die direkte Bereitstellung   Anlage verteilt sind, was eine aufwändigere
       wird eine PROFINET S2-Verbindung zwi-  von Binärsignalen per Ethernet-APL arbei-  Planung erfordert. Insbesondere bei Ether-
       schen Leitsystem und MRP-Ring genutzt.   ten Hersteller bereits an einer Lösung, um   net-APL müssen zusätzlich alle Feldgeräte
       Hierdurch ist eine hohe  Verfügbarkeit des   Remote-I/Os zu ersetzen.  als Netzwerkteilnehmer mit IP-Adressen
       Gesamtsystems durch Medien- und System-                               im  Netzwerkplan  hinterlegt  werden.  Einen
       redundanz gewährleistet. Im Schaltraum   Im Basic- und Detail-Engineering gibt es kaum   großen Unterschied gibt es im Engineering:
       werden PROFINET-Patchkabel zur  Verbin-  Unterschiede zwischen den drei Technologien,   Variante A erfordert mit 30 Minuten pro PLT-
       dung der Managed Switches und der Kom-  ebenso bei der Planung der  Verteilerkästen.   Stelle den höchsten Aufwand, während Va-

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